Sunday, March 23, 2014

Von der Wüste bis ins Eis



Der Grenzübertritt von Bolivien und Chile ist bemerkenswert. Schweren Herzens verabschieden wir uns von unseren Reisbuddies der vergangenen Tage. Während es für sie wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt, ins bolivianische Uyuni und dann zurück nach La Paz geht, entlässt uns unser Fahrer auf einer kalten, windigen Hochebene auf fast 5.000 Meter. Dass sich hier die Grenze zwischen zwei nur bedingt befreundeten Staaten befindet, davon zeugt nur ein kleines Grenzhäuschen mit bolivianischer Flagge.

"Hochsicherheitsgrenze" Bolivien-Chile
Der Ausreisestempel des bolivianischen Grenzbeamten ist schnell besorgt. Und da wir sein Land und die Gastfreundschaft seiner Landsleute über den Klee loben, kommen wir sogar ohne irgendwelche Extraaufwendungen an den Stempel. Die Chilenen ihrerseits verzichten gleich ganz auf eine Grenzkontrolle hier oben und verlegen die Einreisekontrolle in das rund 80 Kilometer entfernte San Pedro de Atacama. Der Gedanke ist nicht abwegig, da es nur eine Straße durch die Wüste gibt und jeder mehr oder weniger eh nach San Pedro muss. Dafür leisten sich die Chilenen im Unterschied zu den Bolivianern eine Erste Welt Straßen-Infrastruktur. Auf einer glatt geteerten Schneise fahren wir von 5.000 Metern rund 2.500 Meter hinab Richtung San Pedro, wo wird die kommenden Tage verbringen wollen. Eben noch haben wir an der Grenze gefroren. Eine dreiviertel Stunde später empfängt uns warmer Wüstenwind, Palmen und eine lebhafte kleine Wüstenstadt. 

San Pedro de Atacama
San Pedro de Atacama ist der Tourismushub für die Atacama Region im Norden Chiles, der trockensten Wüste der Welt. Wobei der Unterschied zwischen trocken und trocken darin besteht, dass es in anderen Wüsten zwar auch trocken ist, aber dann wohl doch schon einmal geregnet hat.  In der Atacama Wüste hingegen soll tatsächlich noch nie ein Regentropfen den Boden berührt haben.

Die kommenden Tage entspannen wir. Wir warten auf unsere organisiert geführte Tour Richtung Santiago de Chile und unternehmen Ausflüge zu einem Observatorium, in eine Salzlagune und ins Tal des Mondes, wovon es in Südamerika übrigens auffällig viele gibt. Jedes Land hat eines dieser Valles de la Luna, die vor allem von viel Sand, seltsamen Steinformationen, viel Trockenheit, schroffen Bergen und atemberaubenden Sonnenuntergängen geprägt sind.

Auf nächtlicher Sternwartentour
Wer braucht schon das Tote Meer?
Unterwegs im Tal des Mondes
Warten auf den Sonnenuntergang

Na das hat sich doch gelohnt
Zur Abwechslung haben wir uns zur Rückkehr ins 2.000 Kilometer entfernte Santiago de Chile eine organisierte Tour in einem Kleinbus gebucht. Wir wollen einfach mal machen lassen und nicht immer selbst machen. Und so machen wir uns in einem Kleinbus in fragwürdigem Zustand auf den Weg nach Santiago. Schnell jedoch merken wir, dass uns nach rund fünf Monaten Individualreise das Korsett einer solchen Tour zu eng geworden ist. Wir lernen zwar auch lustige Menschen kennen, auf einmal müssen wir uns aber wieder an Zeiten halten. Wir sind an die immer gleichen Leute gebunden, deren Eigenheiten wir nun einige Tage ertragen müssen und trotten einem selbstherrlichen Reiseführer hinterher. Unvorhergesehen sind durch Streiks und die Wahlen zu Chiles Präsidentenamt fast alle versprochenen Sehenswürdigkeiten auf dem Weg nach Santiago geschlossen. Einzig ein sehr schöner Ausflug hoch zu Ross im Valle de Elqui und ein ungeplanter Campingaufenthalt am rauen Pazifikstrand bringen etwas Abwechslung zum Alltagstrott, der vor allem aus vielen Autobahnkilometern durch die Wüste besteht. 

Und so sieht es hunderte und hunderte Kilometer aus
Campen am Pazifik
Mein Lieblingsbusch Jacaranda - überall in Chile
Klaus ausm Vogtland, Marlene aus Dänemark und wir im Valle de Elqui
Als wir uns mit einem österreichischen Pärchen nicht am gemeinsamen Abendessen beteiligen wollen, werden wir vom Reiseleiter sofort durch Missachtung gestraft. Halb belustigt, halb gelangweilt, lassen wir das über uns ergehen und sind froh, dass wir nach vier Tagen Santiago erreichen. Hier haben wir uns im Unterschied zu unserem ersten Santiagoaufenthalt über airbnb eine Wohnung gemietet. Wir genießen die Tage des Nichtstuns. Da wir Santiago bereits gut vom ersten Mal kennen, fühlen wir uns fast wie zu Hause. Wir treffen unsere neuen österreichischen Freunde. Wir lesen viel, verbringen Zeit im Internet, gehen einen Kaffee trinken, abends kochen wir oder gehen in eine Bar und ins Kino. Und wir machen uns viel Gedanken über die Reise, unsere Jobs und unser Leben in Deutschland. 

Home sweet home für vier Tage
Uns fallen nun auch wieder die Kleinigkeiten auf, die das Salz in der Suppe einer solchen Reise sind. Vor allem staunen wir über die kulinarische Langeweile dieses Landes. Als überwältigendes Must have gilt der Hot Dog, den es tatsächlich an jeder Ecke in Chile gibt. Das Würstchen wird in der Regel mit einer Tomate belegt. Hinzu kommt ein ordentlicher Schwung zugegebenermaßen sehr guter Avocados und als Krönung eine halbe Flasche Mayonaise. Fertig ist der sogenannte Italiano oder Completo – eine Kalorienbombe vom Feinsten. Als Nationalgericht wird uns zudem das Bife de los Pobre angepriesen. Ein je nach Lokal mehr oder weniger gutes Stück Rindfleisch wird mit Unmengen von gebratenen Zwiebeln und einem Spiegelei garniert. Dazu wird eine ordentliche Portion Pommes gereicht und nochmal ordentlich Butter drüber gegeben. Ich kann mich erinnern, dass dieses Essen Anfang der 90er Jahre auch in Deutschland noch durchaus als Non Plus Ultra herhalten konnte. Viel schlimmer ist jedoch die fatale Vorliebe der Südamerikaner für Zucker und das fast gänzliche Fehlen von gutem Kaffee und Frischmilch. Alles kommt aus dem Hause Nestlé und bei allem haben wir das Gefühl, dass in fast jedem Nahrungsmittel Zucker enthalten ist. 

Wir beobachten, dass Lunchpakete für Schulkinder aus Cookies, Bonbons und Schokoriegeln bestehen. Als Getränk gibt es einen 100% fruchtfreien Früchtesaft. Auch Tees und Kaffees sind häufig vorgesüßt. Sowohl in Chile als auch später in Argentinien ist Kaffee von Werk aus bereits mit Zucker versetzt. Auf die Frage, ob es auch Kaffee ohne Zucker gibt, ernten wir Unverständnis. Nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der Chilenen mit deutlichem Übergewicht zu kämpfen hat, mehr, als dies in Deutschland der Fall ist. 
In Chile kommt hinzu, dass gefühlt 98 Prozent des Kaffees in chilenischen Supermärkten Instantkaffee ist. Einige Supermärkte führen sogar gar keinen echten Kaffee mehr, weil der Instantkaffee den Chilenen als Fortschritt gilt. Ob an Autobahnraststätten, in Bahnhöfen oder in Restaurants – die Chance einen normalen Kaffee zu bekommen, tendiert gegen Null. Und wenn man einen relativ guten Kaffee bekommt, dann muss man mit einem fragwürdigen Ambiente klar kommen. So gibt es in Santiago die so genannten Cafés con Piernes, also Cafés mit Beinen. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die ultimative Demonstration der südamerikanischen Machogesellschaft. Wie in einem Karussell servieren vollbusige, hochhackige und in schlimme Fummel gepresste Damen den Kaffee. Drumherum stehen zumeist ältere Herren, ob im Anzug oder nicht, und geben vor, ihren Kaffee zu trinken. In Wahrheit wird hemmungslos geglotzt. Und tatsächlich sieht man in diesen Kaffees auch kaum eine Frau unter den Gästen. So finden wir uns auch in Chile notgedrungen doch wieder dort ein, wo wir in Asien so häufig waren – bei Starbucks. Gerne kann man über Systemgastronomie lästern – bei Starbucks bekommen wir weltweit gleich einen guten Kaffee, eine Klimaanlage und freies W-Lan. Und nein, wir bekommen kein Geld aus Seattle überwiesen. Noch nicht :-). 

Nach erholsamen Tagen geht unsere Reise weiter in Chiles Süden – diesmal wieder selbst organisiert. Unser Ziel ist das geheimnisvolle Patagonien. Über Pucon, die Hauptstadt des Outdoorsportes Chiles, fahren wir weiter nach Puerto Varas. Da wir noch vor der Hauptsaison in Chiles Süden unterwegs sind, können wir uns lediglich eine White Water Rafting Tour in Pucon buchen. Hinzu kommt ein strömender Regen, der den Aufenthalt im kühlen Seengebiet Chiles trotz wunderschöner Szenerie etwas unbehaglich macht. Puerto Varas, einst Hauptzuzugsgebiet vieler Deutscher, liegt an einem dieser wunderschönen Seen. 

Ready for rafting
Der Villarica in Pucon
Warten, dass die Wolken verschwinden
Und am nächsten Morgen in ganzer Pracht
Wir leihen uns Fahrräder und erradeln uns die nähere Umgebung. Nach 50 Kilometer bergauf und bergab auf zu großen und unbequemen Fahrrädern, tut uns alles weh. Wir zahlen mal wieder den Preis dafür, dass wir als Urban Travellers sehr sportlich sein und den Bergen unsere lachende Fratze zeigen wollen. Am Ende lachen wir eher gequält, sind aber dennoch froh, den Ausflug gemacht zu haben. Vom vielbeschworenen deutschen Einfluss in dieser Region ist übrigens nicht mehr viel zu sehen.  Zwar weisen Bezeichnungen wie Bäckerei Schmidt oder das Angebot von Kaffee und Kuchen noch deutlich auf die Teutonen in dieser Region hin, jedoch niemand spricht mehr deutsch und es ist nahezu unmöglich ein dunkles Brot zu bekommen. 

Ich kann nicht sagen, dass das einladend wirkt
Schokoladenladen Müdolph in Puerto Varas
Schön haben sie es hier
Da es von Chiles Seengebiet keine Straße ins tausende Kilometer entfernte südliche Patagonien gibt, wählen wir zur Abwechslung mal wieder das Flugzeug und fliegen nach Punta Arenas im tiefen Süden Chiles. Haben wir uns vor zwei Wochen in der Atacama Wüste in Chiles Norden noch einen zünftigen Sonnenbrand geholt, so empfängt uns hier Schneeregen und stürmischer Wind. Es ist Thanksgiving. Und dieses ungemütliche Wetter gepaart mit der fehlenden Thanksgiving Tradition in Chile machen vor allem Nicole schwer zu schaffen. Aufgehellt werden kann die Laune nur durch abertausende  Pinguine  auf der Isla Magdalena in der Magellan Straße. Die Magellan Straße trennt Chiles Region Patagonien vom sagenumwobenen Feuerland. Die Insel, die sich Chile mit Argentinien teilt, hat seinen Namen im Übrigen durch den Entdecker Magellan erhalten. Magellans Mannen sahen bei der Erkundung der nun gleichnamigen Magellan Straße am Ufer viele Lagerfeuer der nomadischen Indianer und nannten die Insel Isla Grande de Tierra del Fuego.  Nachdem wir über eine Stunde durch das blökende und nach Fisch stinkende Getier gestreift sind, ist Nicole nur schwer davon abzubringen einen Pinguin in den Rucksack zu packen. Ihre Laune ist nun jedoch wieder auf Weiterreise programmiert.

Nach Patagonien
In der Magellan Straße
Kleines Tänzchen gefällig?
Jemand ist happy

Das ist auch gut, denn nun wartet eins, wenn nicht sogar das Highlight unserer Reise. Spontan entscheiden wir uns doch dazu, Patagonien zu Fuß und damit so richtig zu erleben. Für vier Tage wollen wir mit dem Rucksack und dem Zelt durch den Nationalpark Torres del Paine wandern. In Puerto Natales versorgen wir uns mit Informationen und dem nötigen Equipment. Dazu zählen ein Zelt, Isomatten, ein kleiner Kocher, Campinggeschirr, Nudeln, Tunfisch, Tütensuppen und Nüsse in rauen Mengen. Auf dem Weg in den Nationalpark treffen wir mit Kim-Mai aus München und Marie aus Mannheim zwei Deutsche. Zu viert machen wir uns auf und durchstreifen in den kommenden Tagen Täler und Berge, dunkle Wälder, sehen mächtige Gletscher, unfassbar schöne Bergseen, Wasserfälle und natürlich die weltberühmten Türme von Paine – eben die Torres del Paine. Die vier Tage in Worte zu fassen, fällt schwer. Nach 70 Kilometern Wegstrecke kommen wir nach vier Tagen sehr stolz und verändert zurück nach Puerto Natales. Nicht nur, dass die Tage Spaß gemacht und uns an unsere Grenzen gebracht haben. Wir haben wiederum sehr feine Menschen kennengelernt. Unsere Reise ist nun irgendwie rund. Alles Weitere kann nur noch eine schöne Zugabe sein. Wir sind zufrieden und brechen auf nach Argentinien, wo wir die kommenden Wochen bis fast zu unserer Rückkehr nach Deutschland verbringen wollen. 

Als wären wir Wanderprofis
Unsere lustige Wandergruppe
Claciar Grey
An den Torres del Paine
Zurück in die Zivilisation

Wednesday, December 18, 2013

Peru und Bolivien - Immer die Anden entlang

Nach der Rückkehr aus Miami geht es mit dem Flieger über Quito und Lima nach Cusco in Peru. Dabei erwarten uns zunächst zwei fliegerische Highlights, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Beides jedoch sind – zumindest für mich – durchaus spannende Erlebnisse. Zunächst gibt es am Flughafen von Miami eine schöne Überraschung. Kurz vor dem Boarding zu unserem Flug nach Quito werden unsere Namen aufgerufen. Am Gate nimmt man uns unsere Tickets ab und tauscht diese in zwei neue Tickets, auf denen die Sitznummern 1d und 1e prangen. Wir haben soeben ein Upgrade in die Business Class von American Airlines erhalten – dank eines engen Freundes von Natalie und Fabrizio, der bei American Airlines in nicht unbedeutender Position arbeitet. Bei Gin Tonic, Knabberkram und Essen auf Porzellantellern genießen wir unseren leider nur recht kurzen Flug. Und nur unwillig richten wir unsere Sitze zum Essen aus der 180 Grad Position wieder auf.

Das zweite Highlight: Auf unserem Flug von Quito nach Lima – nun wieder in gewohnter Holzklassenumgebung – geben die Triebwerke unseres Fliegers auf einmal seltsame Töne von sich. Es klingt, als ob die Turbinen ins Leere feuern. Kurz darauf sackt das Flugzeug zwei Mal sekundenlang  ins Leere hinab. Die Stewardessen, die gerade mit dem Getränkeservice beschäftigt sind und diese Luftlöcher scheinbar haben kommen hören, können sich nur mit Mühe an den Sitzen und den Handgepäckfächern festklammern. Alles andere, was nicht niet und nagelfest ist, fliegt sofort an die Decke. Heißer Kaffee, Cola und Wasser ergießen sich auf die Passagiere. Auch wir sind pitschnass, noch ehe wir begreifen, was da eigentlich gerade passiert ist. Alles geht so schnell, dass jeder erstaunlich ruhig bleibt. Wer ein solches Erlebnis mal realistisch und solide nachstellen will, dem empfehle ich den Tower of Terror im Disneyland Paris. Danach geht der Flug wie gewohnt weiter und wir sind um die Erkenntnis reicher, dass sich Anschnallen im Flieger tatsächlich immer lohnt.

We like American Airlines
Cola an der Flugezeugdecke
Wohlbehalten, wenn auch mit Kaffeeflecken verschönert, erreichen wir Cusco. Die alte Inkahauptstadt auf 3.400 Metern mitten in den Anden ist Ausgangsort für die tausende Touristen, die sich von hier täglich zur eigentlichen Attraktion, der Inkaruine Machu Picchu, aufmachen. Aber auch Cusco selbst hat eine Menge zu bieten. Ähnlich zu Quito ist die Kolonialarchitektur der Spanier hier sehr schön erhalten. Als die Spanier Cusco 1533 erreichten, zerstörten sie in erprobter iberischer Konquistadorenart wie mit einer Dampfwalze alles Bebaute der Inkas und errichteten eigene Kirchen, Wohn- und Geschäftshäuser. Gold und Silber der Inkas wurden eingeschmolzen und nach Spanien gebracht. Heute gibt es nur noch wenige Mauern in Cusco, die von den Inkas gebaut wurden.

Breiter ging der Bürgersteig wirklich nicht
Natürlich darf der Pisco Sour nicht fehlen
Wir streifen ziellos durch die Stadt. Am ersten Abend unseres Aufenthaltes in Cusco werden wir Zeuge davon, dass Halloween auch außerhalb der USA gefeiert wird. Tausende Familien bevölkern mit ihren Kindern den zentralen Plaza de Armas. Die Juniors ziehen dabei auf ihrer Jagd nach Candy von Geschäft zu Geschäft und von Tourist zu Tourist. Ich als Deutscher bin völlig unschuldig. Nicole als Amerikanerin muss sich allerdings schon den Schuh anziehen, dass wir völlig unvorbereitet sind und den Kids leider nichts bieten können.

Volle Ladung Halloween
Cusco bei Nacht
Hühnchen, Meerschwein, Hund? Auf jeden Fall lecker
Hand- und Fußarbeit
Aber auch unser eigentliches Ziel sind natürlich die Inkaruinen von Machu Picchu. Ich hatte das Glück, bereits vor einigen Jahren schon mal dort sein zu können. Insofern weiß ich in etwa, was mich dort erwartet. Nicht erwartet habe ich jedoch die massiven Preissteigerungen seit damals. Selbst ohne jeglichen Luxus kostet der Ausflug nach Machu Picchu mittlerweile fast 200 Euro – und damit locker das Doppelte von dem, was es damals gekostet hat. Organisierte Touren sind noch einmal teurer. Am stärksten schlägt dabei der Zug von Cusco nach Machu Picchu zu Buche. Satte 119 US-Dollar verlangt man von uns für eine ca. 1 ½ stündige Fahrt pro Person. Peruaner fahren die gleiche Strecke übrigens für 2,50 Dollar. Nun habe ich nichts gegen unterschiedliche Preise für Einheimische und Ausländer. Die allgegenwärtige Armut in vielen Ländern Südamerikas rechtfertigt unterschiedliche Preise durchaus. Bei einem Aufschlag von fast dem Fünfzigfachen fühlen wir uns dennoch ausgenommen. Jegliches Maß scheint verloren gegangen zu sein. Europäer und Amerikaner sind per sé die reichen Ausländer – ob goldbehangene Pensionärin oder armer Backpacker spielt dabei keine Rolle. Entsprechend steigen die Preise von Jahr zu Jahr scheinbar ins Unermessliche.

Da stehen unsere 119 Dollar pro Person
Die Begleiterscheinungen sollen jedoch das Erlebnis Machu Picchu nicht trüben. Dieser Ort hat eine ganz eigene Energie. 1911 wiederentdeckt können Touristen heute rund 200 recht gut erhaltende Gebäude und rund 3.000 Terrassen hoch über dem Tal des Flusses Urubamba besichtigen. Sobald man die Stadt betritt wird man automatisch ruhiger und andächtiger. Staunend sitzt man stundenlang auf den Terrassen und genießt das Panorama. Insbesondere morgens, wenn noch Nebel und Wolken durch die Anlage ziehen und oft nur für wenige Sekunden einen Blick auf die Häuser und Plätze freigeben, wirkt dieser Ort mystisch.

Im Nebel nähern wir uns Machu Picchu
Wer schaut am Lustigsten?
Nic beim Quatsch machen


Natürlich schießen wir viel zu viele Fotos – ebenso wie in der Folge auch auf unseren Ausflügen auf den Titicacasee zwischen Peru und Bolivien – mit rund 3.800 Metern Wasserlinie der höchste See der Erde – und der Salzwüste von Uyuni im Süden von Bolivien. Diese Orte für sich lohnen jede Strapaze der Anreise. Der Moment, wenn man meint, die Wolken über dem Titicacasee berühren zu können oder sich die Blicke in der gleißenden und endlosen Weite des Salzes in Uyuni verlieren, sind unvergesslich.

Abends noch Regen über Titicaca
Am Morgen aber schön
... und kühl
Auf der Isla del Sol
Kinder lesen uns ihre Hausaufgaben vor
Auf nach Uyuni
Fähre Bolivian Style
Nic wieder beim Quatsch machen
Über der Salzwüste
Und wieder Quatsch machen
Hartes Shooting
Auf 5.000 Meter
Kein Platz zum Landen?
Ein Berliner und ein Bayer kauen viel Coca
Die lustige Uyunitruppe
Und Michael Jackson lebt doch
Ein Berliner und ein Bayer trinken Bier im Hotpool
Dennoch verlassen wir Peru und Bolivien bereits nach rund zwei Wochen und das durchaus mit gemischten Gefühlen. Denn so recht wohl fühlen wir uns nicht. Städte und Dörfer sind zum Teil unfassbar hässlich. Wenn es einen der häufigen Regenschauer gibt, gleichen die Dörfer einem Morast. Es dominiert die Farbe braun der unzähligen Lehmhütten und der rotbraunen Ziegelsteine der meisten Häuser. Uns bedrückt vor allem die Gegend um den Titicacasee, in der die tristen Städte und Dörfer in krassem Gegensatz zur Schönheit des Sees stehen. Zudem findet klimabedingt und etwa im Unterschied zu Asien so gut wie kein Leben auf der Straße statt. Es wirkt, als wollten die Leute so schnell wie möglich wieder in ihre Häuser kommen.

Viel schwerer wiegt jedoch, dass wir nur selten das Gefühl haben, Gast zu sein. Die Menschen eilen an einem vorbei. Es wird kaum gelacht. In erster Linie fühlen wir uns als Wirtschaftsgut. Ausländische Touristen dienen dazu, Geld ins Land zu bringen. Und tatsächlich scheint der stetige Strom an Touristen diese Einstellung der Menschen zu bestärken. Nur selten haben wir das Gefühl, dass die Menschen daran interessiert wären, sich und ihr Land von der gastfreundlichen Seite zu präsentieren. Geschweige denn, dass es in Peru und Bolivien Interesse an unserer Person oder Herkunft gibt. Wir werden Zeuge, dass Touristen an der Grenze vom Bus einfach zurückgelassen werden, weil die Grenzkontrolle zu lange dauert. Wer sich daraufhin beschwert, wird noch im Bus bedroht oder im besten Fall belächelt. Gerade auf den Busreisen durch beide Länder bemühen sich Busfahrer und Agenturmitarbeiter aufrichtig, dem Touristen zu zeigen, dass man ein Gut ist, das notgedrungen transportiert werden muss.

Keineswegs wollen wir nun jedoch über diese Länder richten. Wie fast alle sind wir wegen der Sehenswürdigkeiten wie Machu Picchu, dem Titicacasee oder der Salar de Uyuni gekommen. Damit sind wir notgedrungen im Tourismusapparat dieser Länder gefangen und haben sprachbedingt nur wenig Kontakt zu den ‚echten‘ Menschen. So existieren Einheimische und Touristen ausschließlich nebeneinander. Das bedauern wir sehr, weil unser Urteil mit Sicherheit der Mehrheit der Menschen nicht gerecht wird. Wir fragen uns oft, ob wir zu streng urteilen. Denn natürlich gibt es auch schöne Ausnahmen. Ein Peruaner kommt mit uns ins Gespräch, weil er vor einigen Jahren eine Zeit lang in Darmstadt gelebt hat und uns deutsch sprechen hört. Ein anderer Peruaner sieht uns in Cusco hilflos auf der Suche nach einem Kleinbus durch die Straßen ziehen und führt uns ganz selbstlos zur gesuchten Straße. Dennoch machen wir leider häufiger die Erfahrung, dass Freundlichkeit Fehlanzeige ist. Daher beschließen wir, unsere Reise in beiden Ländern etwas zu beschleunigen und schneller als ursprünglich geplant wieder nach Chile zu kommen. So überqueren wir am Ende unser Salar de Uyuni Tour wieder die Grenze nach Chile und entspannen uns in San Pedro de Atacama für ein paar Tage vom hektischen Reiserhythmus der vergangenen Wochen, bevor unsere lange Reise durch Chile nach Patagonien beginnt.